Auszeichnung des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard

Es passt wirklich nicht ins Bild, denn auf der einen Seite kritisiert man das Buch von Thilo Sarrazin und auf der anderen Seite zeichnet man Karikaturisten aus, die auch gegen die Moslems kontern. Mit ihrer Kritik erweisen die muslimischen Verbände dem Ansehen des Islams einen Bärendienst. Ängste vor dem Islam werden nicht durch
ein klares Bekenntnis der Bundeskanzlerin zur Pressefreiheit genährt, sondern durch den Umstand, dass zwar islamkritische Karikaturen Massenproteste in der islamischen Welt auslösen, nicht aber die Rechtfertigung brutaler Terrorakte unter Berufung auf den Islam.

Bezeichnend ist, dass die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast, in die Kritik an der Bundeskanzlerin mit einstimmt. Sie verschweigt dabei geflissentlich, dass die Laudatio auf den Morddrohungen ausgesetzten Preisträger der einstige rot-grüne Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck gehalten hat. Offensichtlich
sind Gaucks Freiheitsideale bei der Union besser aufgehoben als bei der politischen Linken. Zu der Kritik mehrerer muslimischer Verbände an der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Auszeichnung des
dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard mit dem Medienpreis „M 100 Sanssouci Colloquium“ erklärt der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Hermann Gröhe.

Wikipedia hat das benannte Bild (Karrikatur) auch aus der Seite genommen. Um mir evtl. Ärger zu ersparen habe ich es auch hier nicht eingefügt. 

Westergaards Karikatur des Propheten Mohammed mit einer Bombe als Turban – eine von zwölf Karikaturen zum gleichen Thema, die die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten am 30. September 2005 unter dem Titel Das Gesicht Mohammeds veröffentlicht hatte – löste eine internationale politische Kontroverse mit weltweiten Demonstrationen aus, da viele Muslime und muslimische Staaten sich beleidigt fühlten.

Erst Monate nach der Veröffentlichung brachen in islamischen Ländern die zum Teil organisierten und gewalttätigen Proteste aus, bei denen mehr als 50 Menschen starben.  Obwohl auf seine Tötung (und die seiner Kollegen) Kopfgelder angeblich in Höhe von elf Millionen Dollar ausgesetzt wurden, verteidigte Westergaard seine Karikatur unter Verweis auf die Meinungsfreiheit im Westen und hielt eine Entschuldigung für nicht erforderlich.

Nach konkreten Mordplänen gegen ihn stehen der Zeichner und seine Frau seit Ende 2007 unter massivem Polizeischutz; sie müssen immer wieder umziehen und an geheimen Orten leben. Westergaard erklärt, er sei zornig, dass eine gewöhnliche, alltägliche Handlung wie seine Zeichnung zu solch wahnsinnigen Reaktionen führen könne, deren Nachwirkungen sein Leben lang anhalten dürften. Ein Ende des Polizeischutzes ist in der Tat nicht absehbar. Im Februar 2008 meldete der dänische Polizeigeheimdienst PET die Festnahme von mehreren Männern in der Stadt Århus, die mutmaßlich planten, Westergaard zu ermorden. Bei den drei Männern handelte es sich um zwei Tunesier und einen Dänen marokkanischer Abstammung.

Alles wird unsinnig aufgebauscht. Natürlich geben nun alles ihren Senf dazu…

A B C = Allah, Buddha, Christus, Devil, Engel, Fürst, Geist, Himmel, Illuminati, Juden, Kirchen, Leben, M…

  • Die Berliner Morgenpost schreibt heute diesen Kommentar dazu:

    Den Gipfel politischer Darstellungskunst erlebte
    die Republik vergangene Woche auf preußischem Terrain. In Potsdam, wo
    der Genius Loci vorsieht, dass jeder nach seiner Fasson glücklich
    werden möge, trafen sich Kanzlerin, Besser-Präsident Gauck und andere
    hochmögende Herrschaften, um sich ihrer guten demokratischen
    Gesinnung zu versichern. Mohammed-Karikaturist Westergaard wurde
    gefeiert, als Fackelträger der Meinungsfreiheit. Vergessen, dass der
    Bekenntnisdrang der deutschen Elite deutlich schwächer ausgeprägt
    war, als es dem Zeichner konkret an die Kehle gehen sollte. In
    Wirklichkeit aber war die Potsdamer Show eine kollektive
    Übersprungshandlung, die vor allem der eigenen seelischen Entlastung
    diente. Denn draußen im Lande ging es nicht um Karikaturen, sondern
    um Thilo Sarrazin. Teile des Volkes wittern allenthalben eine
    Verschwörung von „denen da oben“, die den schnauzbärtigen Provokateur
    mundtot machen wollen. Das Klima ist derart vergiftet, dass nicht
    ganz klar war, ob die Scharfschützen auf den Dächern nur aufgebrachte
    Islamisten fürchteten oder auch kopflos wütende Biederbürger. Die
    dringendste Frage des Tages blendeten die Freunde der
    Meinungsfreiheit aus: Was tun mit Sarrazin? Der Thesenritter mit dem
    Provokations-Tourette hatte im Alleingang die Anführer beider großer
    Volksparteien, Bundesbank-Chef Weber, alle deutschen Leitmedien, vor
    allem aber den Bundespräsidenten in die Bredouille gebracht. Sollte
    Christian Wulff den Banker auf wackeliger juristischer Grundlage
    entlassen und einen ewigen Schauprozess riskieren, der seine
    Autorität dauerhaft zu untergraben drohte? Darf das Staatsoberhaupt
    einen Märtyrer schaffen, der die Symbolmacht gehabt hätte, das Land
    dauerhaft zu spalten? Maximale Hysterie bei minimalen
    Handlungsoptionen – so gelähmt und erregt zugleich war die Republik
    noch selten. Während die Tagespolitiker mit verzweifelter Grandezza
    in Potsdam „Wir sind die Guten“ aufführten, das liebste Spiel der
    politischen Klasse, hatte sich in Berlin zumindest einer um die
    Lösung des unseligen Konflikts gekümmert: der Bundespräsident
    persönlich. Wulff tappte nicht in die Polarisierungsfalle, sondern
    übte sich als Mediator. Im Verborgenen, ohne verlockendes mediales
    Begleitgetöse, suchte der Präsident nach einer Möglichkeit, die
    Interessen aller Beteiligten zu wahren. Und er hat sie gefunden:
    Donnerstagabend gab Sarrazin seinen Rückzug bekannt – die beste aller
    denkbaren Optionen. Zum Schnäppchenpreis von 1000 Euro monatlicher
    Pensionszulage – eine Sprache, die der Zahlenmensch Sarrazin sofort
    versteht – hat das Staatsoberhaupt dem Aufrührer seinen freiwilligen
    Abgang abgehandelt. So hat Sarrazin sein Gesicht gewahrt und
    Bundesbank-Präsident Weber seine Chancen auf den Posten des
    EZB-Chefs. Der Kanzlerin und ihrem Herausforderer Gabriel wird etwas
    Luft verschafft in einer wüsten innerparteilichen Debatte und dem
    Land eine toxische Diskussion. Natürlich hat Wulff auch sich selbst
    eine heikle Angelegenheit vom Hals geschafft. „01“, wie der Präsident
    im Schloss Bellevue genannt wird, hat eine Wutbombe entschärft und
    der Republik zugleich gezeigt, dass das Suchen nach Win-win-Lösungen
    allemal effektiver ist als das lautstarke aber folgenlose Gebalge,
    das derzeit auf allen politischen Ebenen herrscht. Erstmals hat der
    neue Bundespräsident erkennen lassen, welche Rolle er einzunehmen
    gedenkt: die des Brückenbauers, der sich nicht scheut, in die
    Tagespolitik einzugreifen. Was hätten Wulffs Vorgänger in einer
    derart vertrackten Lage getan? Ob Weizsäcker, Herzog, Rau, Köhler und
    wahrscheinlich auch Gauck – alle hätten mit amtsimmanentem Hochmut
    ein ausgefeiltes Manuskript gezückt und eine besorgte Rede gehalten,
    die sich um Verantwortung, Miteinander, Christenpflicht und natürlich
    die Vergangenheit gedreht hätte. Passiert wäre allerdings nichts.
    Wulff ist kein großer Redner, aber ein erfahrener Mediator, wie er in
    Niedersachsen oft bewiesen hat, etwa bei der Schlacht um VW. Was kaum
    jemand in einer Gauck-romantischen Republik erwartet hätte, ist dem
    jungen Staatsoberhaupt gelungen: eine neue Interpretation des Amtes,
    weg von der folgenlosen Rederei, hin zu pragmatischem Lösungshandeln.
    Christian Wulff hat mit seiner ersten relevanten Tat das Präsidialamt
    auf ein neues Bedeutungsniveau gehoben, als Clearing-Instanz für
    heikle politische Fälle. Er hat sich leise, aber beharrlich
    eingemischt und allen Beteiligten aus der Patsche geholfen,
    überparteilich, wie es seine Aufgabe ist. Ein Einzelfall? Eher nicht.
    In Zeiten, da die Regierungschefin Entscheidungen eher umgeht und die
    Opposition nur selten weiß, was sie will, gewinnt ein unaufgeregter,
    aber hochpolitischer Präsident ganz automatisch an Statur und Macht.
    Diese Chance wird sich Wulff nicht entgehen lassen.

    Originaltext: BERLINER MORGENPOST