Nazigold in Schlesien

Ein echter Goldrausch nach dem Nazigold ist in Polen ausgebrochen. Die Suche nach dem Schatz ist in vollem Gange, keiner weiß aber, was schon gefunden wurde. Würde man so einen Aufwand betreiben, wenn es sich um Paiergeld aus der Nazizeit handeln würde? Alles ist in großem Radius um die Fundstelle abgeriegelt. Erst ein angeblicher „Nazi-Goldzug“, nun zwei Eisenbahntunnel und ein Untergrundkomplex so groß wie eine Stadt: Halb Polen ist im Schatzfieber. Doch es melden sich auch kritische Stimmen zu Wort. Walbrzych Polen, ehemaliges deutsches Land Schlesien: Der Wirbel um angebliche Nazi-Schätze in Polen hält an. Nachdem zunächst Gerüchte über einen „Nazi-Goldzug“ in Niederschlesien für Aufregung gesorgt hatten, sollen nun zwei Eisenbahntunnel entdeckt worden sein, die in ein unterirdisches Stollensystem führen. „Der Komplex hat die Ausmaße einer Großstadt“, mutmaßte einer der Entdecker und Chef eines örtlichen Museums, Krzysztof Szpakowski, im Sender TVN24. Die bisher unbekannten Anlagen bei Walbrzych (Waldenburg) sollen demnach Teil des gigantischen NS-Bauvorhabens „Riese“ gewesen sein. Es ist seit langem bekannt, dass die Nazis unter furchtbaren Bedingungen KZ-Häftlinge zwangen, ein Stollensystem in das Eulengebirge zu graben. Tausende kamen dabei ums Leben.
Vertreibung, Nachkriegszeit und Zeit bis heute
Sozialistischer Wohnungsbau in Wałbrzych-Podzamcze

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Waldenburg 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen (→siehe Ostgebiete des Deutschen Reiches). Die neuen Bewohner waren teilweise Zwangsausgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war. Die deutsche Bevölkerung wurde, soweit sie nicht schon vorher geflohen war, 1946–1947 größtenteils vertrieben. Nicht ausgewiesen wurden zahlreiche Deutsche, die für das Funktionieren der Wirtschaft unverzichtbar waren, und solche, die bereit waren, die polnische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dabei handelte es sich überwiegend um Facharbeiter des Bergbaus, die für die Förderung der Kohle benötigt wurden. Obwohl sie Benachteiligungen im öffentlichen Leben und im Beruf hinnehmen mussten, entfalteten sie ab Anfang der 1950er Jahre eine rege deutschsprachige Tätigkeit auf schulischem, kulturellem und kirchlichem Gebiet. Die meisten von ihnen konnten Ende der 1950er Jahre im Wege der Familienzusammenführung in die Bundesrepublik Deutschland ausreisen. Durch den späten Ausreisetermin haben sich schon vor dem Umbruch von 1990 in Einzelfällen deutsch-polnische familiäre Bindungen entwickelt, was das deutsch-polnische Verhältnis positiv beeinflusst hat.

Die Stadt trägt seit 1945 den polnischen Namen Wałbrzych, der wie erwähnt aus dem Bergschlesischen Dialekt stammt und bereits in mehreren Publikationen aus dem 19. Jahrhundert erwähnt worden war.

Spekuliert wird nun über einen Zusammenhang zwischen den Eisenbahntunneln und dem angeblichen „Goldzug“. Örtliche Zeitungen meldeten „eine weitere Sensation“. Oder sind die Entdecker doch nur Trittbrettfahrer, die vom Medienrummel profitieren und Touristen in ihr Museum locken wollen? Polnische Zeitungen nennen das schon den „Goldzug-Effekt“. Fernsehsender brachten unterdessen am Wochenende wieder Sondersendungen über die Suche nach im Krieg im damals deutschen Schlesien versteckte Schätze.