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Deutschland

Spenden für den Staat

Heute genau vor 77 Jahren! Das im September 1933 gegründete Winterhilfswerk unterstand Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Es sollte die Idee der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ populär machen. Im Mittelpunkt aller Anstrengungen des NS-Staates schien die Sorge um das Wohlergehen der deutschen Bevölkerung zu stehen. Das Plakat wirbt mit der Darstellung einer „erbgesunden“ Familie als Keimzelle der Nation. Die „natürliche“ Hauptaufgabe der Frauen bestand nach Ansicht der Nationalsozialisten darin, möglichst viele Kinder zur Welt zu bringen, die zur Ausbreitung der „arischen Rasse“ beitragen sollten. 13. September 1933
Hitler propagiert das Winterhilfswerk
„Unsere Groschen schaffen die Munition im Kampf gegen Hunger und Kälte“ – so schrieb eine Zeitung, nachdem Hitler am 13. September 1933 das Winterhilfswerk propagiert hatte. Bald raunte man aber, dass mit den hunderten Millionen von Reichsmark auch Munition für die Aufrüstung bezahlt wurde.

Man hat also schon damals die Bevölkerung für BLÖD verkauft.

Weite Teile der deutschen Bevölkerung litten bittere Not, und es war absehbar, dass der Winter die Situation verschlimmern würde. Da wurde das so genannte Winterhilfswerk ins Leben gerufen. Eine Feierstunde am 13. September 1933 mit Reden von Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspropagandaminister Joseph Goebbels stellte den Auftakt dar. Ziel war die Einlösung des Versprechens, das weit verbreitete wirtschaftliche und soziale Elend rasch zu beseitigen. Spendenlisten wurden ausgelegt, Firmenbelegschaften erklärten sich bereit, auf einen Teil ihrer Löhne zu verzichten, ehrenamtliche Helfer gingen mit Sammelbüchsen von Haus zu Haus. Außerdem sollten alle Deutschen am jeweils ersten Sonntag der Monate Oktober bis März ein Eintopfgericht essen; das war billig, und das gesparte Geld konnte wiederum der Hilfsaktion zur Verfügung gestellt werden.

„Jeder gibt!“, schrieb eine Zeitung. „Unsere Groschen schaffen die Munition im Kampf gegen Hunger und Kälte. Der Arbeitslose braucht keine Almosen mehr! Das ganze deutsche Volk opfert, um ihm zu helfen!“

Das Hilfsprogramm brachte dem NS-Regime gleich mehrere Vorteile. Zum einen förderte es das Zusammengehörigkeitsgefühl der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, zum anderen konnte der Staat seine Ausgaben für Sozialpolitik senken und das Geld für anderweitige Zwecke nutzen. Für die Aufrüstung zum Beispiel. Dem entsprechend meinte der Volksmund alsbald, die Abkürzung WHW stehe nicht für „Winterhilfswerk“, sondern für  „Waffenhilfswerk“.

Mehr als 358 Millionen Reichsmark brachten die Spendenaufrufe im ersten Jahr ein. Im zweiten Jahr war es fast das Doppelte – nur mit der Freiwilligkeit war es nicht mehr arg weit her. Die Sammelbüchsen wurden zur Landplage, den Arbeitern zog man die Spende gleich vom Lohn ab, und wer dem entgehen wollte, musste mit Sanktionen rechnen. Jene aber, die Gemüsetopf mit Pökelfleisch, Nudelsuppe mit Wurst- oder Löffelerbsen mit Schweineohr-Einlage verschmähten, stellten sich von vorn herein auf die Seite der Regimegegner. Da wundert es niemanden, wenn das Volk behauptete, das am weitesten verbreitete Eintopfgericht seien „Gedämpfte Zungen“.

Inzwischen ist das Verordnen von Eintopfgerichten als Mittel der Sozialpolitik abhanden gekommen. Heute versucht man der Armut eher durch die Ankurbelung des Konsums entgegenzuwirken. Vor diesem Hintergrund wäre es vielleicht gar nicht verkehrt, dem Volk einmal im Monat die Einnahme eines etwas aufwendigeren Gerichts vorzuschreiben. Zum Beispiel könnte man das oben genannte Rezept ein wenig variieren. Etwa so: Man nehme statt des Rauchfleisches zwei Hummer à sechshundert Gramm, statt der Maggiwürfel eine Weißweinsauce, die Kartoffeln ersetze man durch Trüffel, das Wasser durch Olivenöl. Außer der Petersilie gebe man noch Pfefferminze und Knoblauch hinzu, und das Ganze reiche man zusammen mit einem schönen Chardonnay Grand Cru.

Zu üppig? Ja, nun, Entschuldigung. Aber Politik erfordert halt gelegentlich kleine Opfer. 

Das Kalenderblatt

Montag bis Freitag um 0.05 Uhr und um 9.50 Uhr

Montag, 13. September 2010
Autor: Herbert Becker
Sprecherin: Krista Posch
Redaktion: Thomas Morawetz
Wissenschaft und Bildung

  • Sendung nachhören: Hitler propagiert das Winterhilfswerk (13.09.1933) [Das Kalenderblatt]

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Weltgeschehen

Milliardäre spenden die Hälfte ihres Vermögens

Wenn Milliardäre Milliarden spenden, ist das ein feiner Zug. Software-Unternehmer Bill Gates, Investor Warren Buffet, Banker David Rockefeller und andere Steinreiche der USA haben angekündigt, mindestens die Hälfte ihres Privatvermögens für gute Zwecke zu spenden. Sie würden damit der Gesellschaft einen Teil des Geldes zurückgeben,  das sie mit Hilfe des Staates und vieler anderer Menschen erwirtschaftet haben. Besser allerdings wäre es, wenn die horrenden Vermögen, die mittels Spenden teilweise umverteilt werden, gar nicht erst entstünden. Denn womit verdienen Leute wie Gates, Buffet und Rockefeller ihr Geld? Gates‘ Firma Microsoft beispielsweise lässt auch in China produzieren, wo sich die Löhne der Arbeiter an den niedrigen staatlichen Mindestlöhnen orientieren.

Investor Buffet verdient unter anderem Geld mit der Ölpest, die der Konzern BP im Golf von Mexiko verursacht hat. Eine Firma, an der Buffet beteiligt ist, liefert die umstrittene Chemikalie, die das ausgelaufene Öl unter die Meeresoberfläche drückt. Manager und Vorstände setzen den Gewinn ihrer Unternehmen absolut. Sie ordnen ihm alles andere unter. Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, dass sich die Bürger und die Zivilgesellschaft kritisch mit der Kategorie des Gewinns auseinandersetzen. Bisher ist der Profit sakrosankt. Das aber dürfen wir den Managern nicht länger durchgehen lassen.

Es gibt schlechte Gewinne, die auf Kosten der Allgemeinheit erwirtschaftet wurden, und gute Gewinne, die sich im Rahmen halten. Drogerie-Unternehmer Dirk Roßmann sagt, dass er mit drei Prozent Rendite im Verhältnis zum Umsatz völlig zufrieden sei. Rossmann ist ein erfolgreiches Unternehmen, es expandiert, ist konkurrenzfähig undbezahlt seinen Beschäftigten anständige Löhne. Das zeigt: Es ist nicht notwendig, mit Supergewinnen auf Platz eins der Branchen-Hitliste zu stehen. Wenn der Energiekonzern Eon 2009 eine Umsatzrendite von 10,3 Prozent hat, Hennes & Mauritz von 16,2 Prozent, das Pharma-Unternehmen Sanofi-Aventis von 18 Prozent und Apple von fast 20 Prozent, dann sollten wir misstrauisch werden. Diese Gewinne sind zu hoch. Derartige Margen sind nur möglich, weil die Firmen ihren Arbeitern einen fairen Anteil an der Wertschöpfung vorenthalten, ihren Lieferanten zu wenig bezahlen, mit der Umwelt zu sorglos umgehen oder den Verbrauchern zu viel Geld für ihre Produkte abknöpfen. All das bedeutet: Sie leben auf Kosten ihrer Umgebung, also auch auf unsere Kosten. Wir Bürger sollten die Legitimität zu
hoher Profite in Frage stellen.

 Außerdem müssen wir von den Unternehmen verlangen, einen Teil der hohen Gewinne an die Gesellschaft zurückzugeben. Wir können die Vorstände nerven – mitKampagnen, Aktionen und jeder einzelnen Konsumentscheidung. Eine Variante, das große Geld zu resozialisieren, sind freiwillige Spenden. Das sicherste Mittel aber, um das große Geld vernünftigen Aufgaben zuzuführen, wären höhere Steuern auf Kapital, am besten auf
internationaler Ebene.

Originaltext: Neue Westfälische (Bielefeld)