Schubkarre voller Geldscheine – Hyperinflation

Es wird behauptet, dass die Preise bei uns eher rückläufig sind, ich behaupte, dass das nicht stimmt. Was hat man im Einkaufswagen, wenn man für 50 Euro (früher 100 Mark) einkauft? Viele Insider prophezeien uns eine massive Hyperinflation wie zu Zeiten der Weimarer Republik im Jahre 1923, als die geplagten Deutschen mit einer Schubkarre voller Geldscheine noch nicht einmal ein Brot kaufen konnten. Ein Editorial, das am 29. April in der Zeitung San Francisco Examiner erschien, enthielt die Warnung: »Mit einem bisher nie dagewesenen Defizit von annähernd zwei Billionen Dollar ist der [vom Präsidenten für 2010] veranschlagte Haushalt ein todsicheres Rezept für eine Hyperinflation. Also unterstützt jeder Senator und Kongressabgeordnete, der für diesen Monsterhaushalt in Höhe von 3,6 Billionen Dollar stimmt, einen Kaufrausch, der aus Amerika eine zweite Weimarer Republik machen könnte.«

In dem Investmentbrief Money Morning vom 9. April wies Martin Hutchinson auf die beängstigenden Parallelen zwischen der Finanzpolitik der jetzigen US-Regierung und der damaligen Regierung Weimar-Deutschlands hin, als 50 Prozent der Regierungsausgaben durch die sogenannte Seigniorage (»Münzgewinn«), also durch das Drucken von Banknoten bestritten wurden. Allerdings sind diese Angaben etwas verwirrend. Denn gleichzeitig schreibt Hutchinson, dass die heutige britische Regierung schon jetzt einen größeren Teil ihres Budgets durch diese Seigniorage finanziert, als es die Regierung von Weimar-Deutschland selbst auf dem Höhepunkt der damaligen Hyperinflation getan hat Und trotzdem ist das britische Pfund noch relativ stabil, und das unter Bedingungen, die angeblich denen gleichen, die zum völligen Ruin der Reichsmark in Weimar-Deutschland geführt haben. Also muss damals für den Kollaps der Reichsmark etwas anderes verantwortlich gewesen sein als nur das bloße Gelddrucken zur Deckung der Regierungsausgaben – aber was? Und droht uns heute die gleiche Gefahr? Zur Beantwortung dieser Fragen werfen wir einen genaueren Blick auf die Zahlen.

Prof. Friedrich Kessler, Jurist an der Harvard University, 1993 in einem Interview über die Hyperinflation in der Weimarer Zeit