Heilpraktiker sind ein Dorn im Auge, also abschaffen

Der Beruf des Heilpraktikers und deren Qualifikation geraten zunehmend in die Diskussion. Ein Jahr ist es her, dass Todesfälle im alternativen Krebszentrum Brüggen bekannt geworden sind: Ein Heilpraktiker hatte Krebskranke mit dem unerforschten 3-Bromopyruvat behandelt, mindestens 3 Patienten starben.

Bereits 2009 waren Patienten gestorben, weil ihnen von ihrer Heilpraktikerin Drogen verabreicht worden waren. Und die Folgen eines Psycholyse-Seminars von Heilpraktikern, das unter Drogeneinfluss außer Kontrolle geriet, werden demnächst in Stade verhandelt. Es sind Fälle wie diese, die massive Zweifel an der Befähigung von Heilpraktikern aufkommen lassen.

„Um es deutlich zu sagen: Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen“, stellt Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert, Medizinethikerin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), klar. Auf Initiative Schöne-Seiferts hat sich der Münsteraner Kreis gegründet.

Kritisches Positionspapier zum Heilpraktikerberuf

Mit dem Münsteraner Memorandum Heilpraktiker legt der Münsteraner Kreis jetzt ein 10-seitiges Positionspapier vor, das das Heilpraktikerwesen kritisch unter die Lupe nimmt [1]. Der Appell der Experten richtet sich gegen „unangemessene Ausbildung und die meist unhaltbaren Krankheitskonzepte“ und macht Vorschläge, wie das Heilpraktikerwesen zum Nutzen der Patienten reformiert werden sollte.

Die Experten sehen 2 Lösungsmöglichkeiten: Entweder der Beruf Heilpraktiker wird abgeschafft oder es muss durch Zusatzqualifikationen massiv nachgebessert werden. Als Kompetenzlösung schlagen sie vor: An Stelle des bisherigen Heilpraktikers mit seinem problematischen Globalzuschnitt und dem gleichzeitig nicht garantierten Kompetenzniveau den Fach-Heilpraktikermit wissenschaftsorientierter Ausbildung und staatlicher Prüfung zu stellen.
Um es deutlich zu sagen: Wir wollten den gegenwärtigen Irrsinn nicht länger hinnehmen. Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert

Staatlich anerkannter Fach-Heilpraktiker soll dabei aber nur werden können, wer bereits eine Ausbildung in einem der speziellen nicht-akademischen/teilakademischen Heilberufe absolviert hat, etwa als Ergotherapeut, Gesundheits- und Krankenpfleger, Logopäde oder Physiotherapeut. Ein Physiotherapie-Fachheilpraktiker etwa bliebe beschränkt auf Beschwerden und Erkrankungen im Bewegungsapparat.

2 Parallelwelten im deutschen Gesundheitswesen

Wie die Medizinethikerin Schöne-Seifert deutlich macht, existieren im deutschen Gesundheitswesen 2 Parallelwelten: die der akademischen Medizin und die der Heilpraktiker. Während die akademische Medizin sich an Evidenz orientiere und nach wissenschaftlich basiertem Fortschritt strebe, seien Heilpraktiker in der überwiegend unwissenschaftlichen Gedankenwelt der Komplementären und Alternativen Medizin (KAM) verankert.

Quelle: medscape.com