21 Tage Hausarrest für Impfgegner

Im Kanton Bern erhalten Kinder und Erwachsene bis zu 21 Tage Hausarrest, wenn sie mit Masernkranken in Kontakt kamen. Von einem Impfzwang wollen die Behörden aber nicht sprechen.

«Um zu verhindern, dass sich die Masern ausbreiten können und um diejenigen zu schützen, die nicht geimpft sind oder sich nicht impfen lassen können, werden die nicht Geimpften mit Jahrgang 1964 oder jünger, die Kontakt zu einer erkrankten Person hatten, für maximal 21 Tage ausgeschlossen. Die Ausgeschlossenen müssen zu Hause bleiben.» Diese Strategie verfolgt das Berner Kantonsarztamt im Kampf gegen die Masern, festgehalten in einem entsprechenden Merkblatt.

Ziel ist es, «die Übertragungskette zu durchbrechen», sagt Linda Nartey vom Kantons-arztamt zur «Berner Zeitung». «Wir versuchen, die Kontaktpersonen einer erkrankten Person, die eventuell angesteckt, aber noch nicht unbedingt erkrankt ist, zu eruieren.» Die Inkubationszeit bei Masern kann bis zu drei Wochen dauern. Deshalb sollen un-geimpfte Schüler bei einer möglichen Ansteckung vom Unterricht ausgeschlossen werden. Auch Erwachsene könnten einen Hausarrest verpasst bekommen, wenn sie höchstens 50 Jahre alt und ungeimpft sind.

«Erkrankung hilft dem Menschen»

Für berufstätige Eltern könnte diese Regel erhebliche Folgen haben, denn sie gilt nicht nur für Volks-, Mittel- und Berufsschulen, sondern auch für Kitas. «Ich würde es nicht Impfzwang nennen», wehrt sich allerdings Annemarie Tschumper, Co-Leiterin des Gesundheitsdienstes der Stadt Bern. Man würde lediglich« zwei Verantwortlichkeiten gegeneinander abwägen». Gemeint sind damit die Wahlfreiheit und der Schutz verletzlicher Menschen.

Impfkritikern könnte die Regel dennoch ein Dorn im Auge sein. «Wenn sinnvolle, akute fieberhafte Zustände nicht zugelassen werden, nehmen Verhärtungen und chronische Krankheiten zu», sagt der Berner Apotheker und Homöopath, Christof Kunz, zur «Berner Zeitung». «Eine gut bewältigte fieberhafte Erkrankung hilft dem Menschen, seine Körperprozesse besser zu organisieren und führt beim Kind oft zu einem Entwicklungs-schub.» Mit diesem Argument ist Tschumper grundsätzlich einverstanden. «Dafür braucht es aber nicht die risikoreichen Masern.»

Die Schweiz kämpft schon länger gegen die Krankheit. Ziel ist es, die Masern gänzlich auszurotten. Das Bundesamt für Gesundheit hat deshalb 2013 eine Grosskampagne lanciert. Was hierzulande noch nicht gelungen ist, hat Brasilien bereits geschafft. Vor der WM befürchtete man deshalb, dass die Schweizer diesen Sieg gegen die Krankheit wieder zunichtemachen könnten, indem die Fans das Virus wieder einschleppen. Es wäre nicht das erste Mal: Bereits in 17 Ländern sind die Masern wieder aufgetaucht, nachdem sie von Schweizern ins Land gebracht worden waren.

Quelle: 20min.ch vom 17.06.2014