Angela Merkel und eine primitive Aussage

Von einer Bundeskanzlerin wie Angela Merkel bin ich sehr enttäuscht. In den letzten Jahren hat sie sich ja so mancherlei geleistet, doch diese Aussage wegen der Tötung von Bin Laden, haut dem Fass den Boden weg. Als ich im Fernsehen ihren Live Kommentar dazu hörte, glaubte ich, nicht richtig zu hören. Erst Tage später darf man wohl in der Presse einzelne Meinungen lesen, aber erst als andere Hochrangige sich dazu geäussert haben. Kanzlerin Angela Merkel muss nach ihrer öffentlich bekundeten Freude über den Tod von Osama bin Laden heftige Kritik einstecken, so schreibt heute der Stern.

Die Rede: Mit der Kommandoaktion gegen Osama bin Laden und seiner Tötung ist dem US-Militär ein entscheidender Schlag gegen Al Qaida gelungen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat US-Präsident Barack Obama ihre Erleichterung über diese Nachricht übermittelt.

Osama bin Laden war verantwortlich für den Tod tausender unschuldiger Menschen. In seinem direkten Auftrag und in seinem Namen wurde der Terror in viele Länder getragen, er richtet sich gegen Männer, Frauen und Kinder, Christen wie Muslime. Osama bin Laden gab vor, im Namen des Islam zu handeln, in Wirklichkeit jedoch verhöhnte er die Grundwerte seiner und aller anderen Religionen.

Heute Nacht haben die Kräfte des Friedens einen Erfolg errungen. Besiegt ist der internationale Terrorismus damit noch nicht. Wir alle werden wachsam bleiben müssen. ENDE REGIERUNG ONLINE

Na da fehlt doch was? War da nicht noch die Aussage, dass Merkel sich über Bin Ladens Tod freue? : „Frau Bundeskanzlerin, dieser Erfolg, den Sie da beschreiben, (…) war offenkundig auch eine gezielte Tötung. (…) Vieles spricht dafür. Sollten auch deutsche Sicherheitskräfte in der Lage sein, auf diese Weise gegen Terrorhäupter vorzugehen?“

Merkel antwortete: „Ich bin heute erst einmal hier, um zu sagen: Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten. Und ich glaube, dass es vor allen Dingen auch für die Menschen in Amerika, aber auch für uns in Deutschland doch eine Nachricht ist, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so viele Menschen auch schon das Leben gekostet hat, gefasst, also getötet wurde. Und damit auch nicht mehr weiter tätig sein kann. Und das ist das, was jetzt für mich zählt. Und deshalb habe ich auch meinen Respekt für dieses Gelingen dem amerikanischen Präsidenten mitgeteilt. Und das war mir auch ein Bedürfnis.“

  • Der Wittenberger Theologe und frühere
    DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer hat die Reaktion Angela
    Merkels zur Erschießung Osama bin Ladens kritisiert, die Kanzlerin
    zugleich aber in Schutz genommen. „Von Freude zu sprechen, ist in
    diesem Zusammenhang völlig unangemessen, das Wort Freude sollte man
    sich für andere, bessere Anlässe aufheben. Allerdings gestehe ich
    Angela Merkel mildernde Umstände zu. Sie musste in ihrer ersten
    Reaktion auch ausdrücken, dass sie die tiefe Genugtuung der
    Amerikaner mitempfinden kann“, sagt Schorlemmer der „Leipziger
    Volkszeitung“ (Donnerstag-Ausgabe). Besser wäre es jedoch gewesen,
    wenn Merkel statt Freude Erleichterung ausgedrückt hätte. „Es wäre
    ausreichend gewesen, wenn sie gesagt hätte, sie sei erleichtert, dass
    dieser Mörder nichts mehr anrichten kann.“ Der Westen müsse sehr
    aufpassen, sich nicht die Gesetze von Terroristen aufzwingen zu
    lassen. “ Diese gezielte Tötung muss der absolute Ausnahmefall
    bleiben. Wir dürfen uns nicht die Prinzipien von Al-Kaida-Mördern
    aufzwingen lassen.“

    Schorlemmer lobte in diesem Zusammenhang die Wortwahl des
    US-Präsidenten Barack Obama. „Nach dieser hochproblematischen
    Entscheidung zur Tötung hat Obama kein Triumphgeheul angestimmt. Er
    ist sich der Last bewusst, er weiß genau: ein Schuldiger ist tot, das
    Problem ist aber nicht beseitigt.“ Schorlemmer selbst sei nach der
    Nachricht über den Tod Osamas „Verwirrt, erschrocken und erleichtert“
    gewesen. Freude habe er gleichwohl nicht gespürt.

    Originaltext: Leipziger Volkszeitung

  • Die Linkspartei hat Bundeskanzlerin Angela Merkel
    (CDU) zu einer Erklärung im Bundestag zum Fall und Umgang mit den
    letzten Stunden von Osama bin Laden schon in der kommenden Woche
    aufgefordert. Linksparteichef Klaus Ernst sagte gegenüber der
    „Leipziger Volkszeitung“ (Donnerstag-Ausgabe): „Wenn deutsche Stellen
    Bescheid wussten, dann war das Beihilfe zu einer Aktion außerhalb der
    internationalen Rechtsordnung. Wenn es keine Unterrichtung gab, dann
    handelt es sich um einen Vertrauensbruch unter Verbündeten“, sagte
    Ernst. „Angela Merkel muss in der nächsten Woche vor dem Bundestag
    eine Erklärung abgeben. Sie muss sagen, wie es jetzt in Afghanistan
    nach dem Wegfall des Kriegsziels weitergehen soll“, forderte der
    Linksparteichef, der erneut in diesem Zusammenhang die Forderung nach
    einem „sofortigen Abzugsbeginn der Bundeswehr“ aus Afghanistan erhob.

    Im Moment sehe alles danach aus, dass US-amerikanische
    Elitesoldaten in einem fremden Land auf eigene Rechnung einen
    Terroristenführer gezielt hingerichtet hätten. „Es bleibt der
    Eindruck, dass die Festnahme und ein Gerichtsverfahren nie wirklich
    geplant waren, und dass sich die Führer des Westens nicht daran
    stören“, meinte Ernst im Zusammenhang mit der von Angela Merkel
    ausgedrückten „Freude“ über den Tod des Spitzen-Terroristen Osama bin
    Laden. Die Aktion der US-Spezialkräfte habe „die Sicherheitslage
    weltweit dramatisch verändert“, schlussfolgert Ernst.

    Originaltext: Leipziger Volkszeitung

  • Der Tagesspiegel schreibt: Die Äußerung von Bundeskanzlerin Angela Merkel
    (CDU) über die Tötung des Terroristenührers Osama bin Laden haben
    auch beim Koalitionspartner FDP für heftige Kritikm gesorgt. Er habe
    Merkels Freude über die Tötung mit „Unverständnis“ aufgenommen, sagte
    der FDP-Innen- und Rechtspolitiker Hartfrid Wolff dem Tagesspiegel
    (Donnerstagsausgabe). Aus seiner Sicht wäre es „richtig gewesen,
    alles zu tun, Bin Laden dingefst zu machen und vor den
    internationalen Gerichtshof zu stellen“, sagte Wolff. Sich
    allerdings, wie es die Kanzlerin getan hat, über dessen Tötung zu
    freuen, könne er nicht verstehen. „Ich kann mich über den Tod eines
    Menschen nicht freuen“, sagte Wolff, der dem Fraktionsvorstand der
    FDP angehört.

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