Tanklager werden blockiert

Eine große Gefahr in Europa ist Frankreich. Bekannt als Revolutionäre ohne Skrupel, die große Geschichte geschrieben haben. Der Funke, der übergesprungen ist, scheint zu einem Schwellbrand zu werden. Es geht nicht nur darum, wie berichtet wird, dass die Demos wegen des veränderten Rentenalters von 60 auf 62 Jahre angehoben wurde. Es geht auch wie bei Stuttgart 21, darum, dass man mit der gesamten Regierung unzufrieden ist. Die Franzosen machen es besser als die Deutschen, sie organisieren mehr Menschen, denn nur gemeinsam ist man stark. In Deutschland schickt man ein Rambo Team unter friedliche Demonstranten, dann wird es denen schon vergehen. Wie lange geht das noch?

Paris brennt, Sarkozy droht. Tankstellen ohne Benzin und randalierende Jugendliche – Frankreich wird von Streiks gegen die geplante Rentenreform und die Politik ihres Regierungschefs erschüttert. Der Protest eskaliert, Staatspräsident Sarkozy reagiert. Seit Tagen spitzt sich die Situation zu, vor allem die Benzinknappheit lähmt das Land. Es ist eine der stärksten Streikbewegungen, die Frankreich bisher erlebt hat. Nun greift die Regierung heftig durch, um die Energieversorgung zu sichern. Staatspräsident Nicolas Sarkozy lässt die Blockaden von Tanklagern mit Polizeigewalt brechen und versucht, die Probleme kleinzureden. Er wolle möglichst schnell „zur Normalität zurückkehren“, sagte Sarkozy bei einer Kabinettssitzung in Paris. „Wenn die Blockaden nicht schnell beseitigt werden, könnte diese Randale gravierende Folgen haben und den wirtschaftlichen Betrieb im Lande beschädigen“, warnte er. Alle zwölf Raffinerien in Frankreich sowie wichtige Tanklager werden blockiert. Rund 30 Prozent der landesweit 12 500 Tankstellen haben keinen Sprit mehr, an den anderen müssen die Autofahrer teilweise mehr als eine Stunde warten. Im Westen des Landes war die Situation besonders problematisch, weshalb dort auch die ersten Depots geräumt wurden. „Wir lassen nicht zu, dass unser Land lahmgelegt wird“, sagte Innenminister Brice Hortefeux. Wer arbeiten will, müsse arbeiten können, die Freiheit dürfe nicht eingeschränkt werden. Quelle

  • Irlmaier dazu: ‚Die große Stadt mit dem hohen eisernen Turm steht im Feuer. Aber das haben die eigenen Leute angezündet

  • Friedrich

    Es ist dieser Tage – Stuttgart 21 lässt grüßen
    – viel die Rede vom blockierten Deutschland. Wie Blockade aber
    wirklich geht, führen die Franzosen gerade vor. Aus Protest gegen
    eine Rentenreform, die das gesetzliche Ruhestandsalter von bisher 60
    auf künftig 62 Jahre heraufsetzt, gehen Hunderttausende auf die
    Straße, werden Treibstoffdepots blockiert und öffentliche
    Einrichtungen bestreikt. Der politische Radau auf der Straße hat im
    zentralistischen Frankreich Tradition. Nur so lässt sich wohl
    erklären, dass eine Mehrheit der Franzosen Sympathie für die Proteste
    bekundet, obwohl ebenfalls eine Mehrheit von der Notwendigkeit der
    Reform überzeugt ist. Aber – das ist die Parallele mit den
    Bahnhofs-Demos im Schwäbischen – es geht den Galliern auch darum,
    Dampf abzulassen gegen „die da oben“. Nun läuft die Angelegenheit
    jedoch zunehmend aus dem Ruder. Die Regierung hat bereits
    Zugeständnisse gemacht, Gewerkschaften und linke Opposition blieben
    jedoch bei ihrer Maximalforderung nach einem Kippen der Reform. Das
    war verantwortungslos. Längst ist ihnen der Protest entglitten, geben
    Randalierer und Plünderer den Ton an. Jetzt zeigt die in Deutschland
    gerne naiv beschworene „französische Protestkultur“ ihr hässliches
    Gesicht.

    Originaltext: Rheinische Post

  • Hügelmann

    Es geht längst
    nicht mehr nur um die Rentenreform. Durch die Straßen zieht auch die
    wachsende Zahl jener, die Staatspräsident Nicolas Sarkozy scheitern
    sehen wollen. Nicht die Kräfte der Reformgegner hat der Präsident
    unterschätzt, sondern das Ausmaß seiner eigenen Unbeliebtheit. Diese
    hatte schon vor dem Sommer einen Tiefstand erreicht. Doch der harte
    Ruck, den Sarkozy seither in der Einwanderungs- und
    Sicherheitspolitik vollzog, war weiteres Wasser auf die Mühlen seiner
    Widersacher. Der Konfrontationskurs des Präsidenten hat die
    Rentenreform erst in einen Härtetest für seine Durchsetzungskraft
    verwandelt. Einknicken wird Sarkozy wohl nicht. Aber die Bilder von
    den Ausschreitungen dürften sich in den Köpfen der Franzosen ebenso
    festsetzen wie der Eindruck einer vom Elysée-Palast verordneten
    Rücksichtslosigkeit. Sarkozys Wiederwahl ist gefährdet – auch wenn
    ihm die Sanierung der Rentenkasse gelingt.

    Originaltext: Südwest Presse

  • BBC warnt heute vor Reisen nach Frankreich. In keiner Zeitung erfährt man, was in Frankreich wirklich los ist.

    Durch die Streiks sind derzeit besonders auch deutsche Spediteure betroffen. Maximal bekommen sie (wenn überhaupt) 150 Liter Diesel. Von der deutschen Grenze bis zur spanischen Grenze sind es ab dem Grenzübergang Mühlhausen immerhin 1300 Kilometer und ein moderner LKW benötigt zwischen 30 und 40 Liter auf 100 Kilometer.

    Man hatte schon sehr oft die Probleme auf der Strecke durch Frankreich und die Fahrer, die mit ihren LKW´s im Stau stehen werden schamlos zur Kasse gebeten. Aus der Not heraus bezahlen sie schon mal für einen Liter Wasser über 10 Euro.

    Man sieht wie schnell durch solcheStreiks auch unsere Versorgung gefährdet ist. Bekommen wir doch unser Obst und Gemüse überwiegend aus Spanien.

    Da stehen dann schon mal Tiertransporter voll beladen mit Schweinen oder Rindern ohne Wasser eingepfercht auf engstem Raum. Da interessiert sich nicht einmal der Tierschutz. Es scheint wohl bei höherer Gewalt alles aus dem Ruder zu laufen.